
Im Gespräch mit den Geschäftsführern der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland: Lutz Martensen und Stefan Tack.
(Bild Mitte: Handwerksmeister Rolf Hansen)
Die Kreishandwerkerschaft ist der fachübergreifende Zusammenschluss der örtlichen Handwerksinnungen im Kreis Nordfriesland. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vertritt sie die Interessen des freiwillig organsiertes Handwerk vor Ort und unterstützt die in den Innungen organisierten Betriebe.
Räumlich ist sie in zwei Bereiche gegliedert: den Nordteil in Niebüll und den Südteil in Husum. Beide Standorte arbeiten heute eng verzahnt als gemeinsame Dachorganisation für das Handwerk in Nordfriesland. Mit den beiden Geschäftsführern Stephan Tack (Niebüll) und Lutz Martensen (Husum) sprachen wir über die Entwicklung des Handwerks in der Region und die aktuellen Herausforderungen.
Im November 2023 wurde die Zusammenlegung der beiden Kreishandwerkerschaften aus Niebüll und Husum beschlossen. Was waren die Hintergründe für diesen Schritt?
TACK: Mit der Fusion ist es uns gelungen, doppelte Strukturen abzubauen und Kräfte zu bündeln. Besonders bei den überbetrieblichen Bildungsangeboten hat sich das positiv ausgewirkt. In der Vergangenheit waren einzelne Kurse sehr teuer, was an zu geringen Teilnehmerzahlen lag. Heute profitieren wir von größeren Gruppen, mehr Planungssicherheit und einem deutlich breiteren Angebot zu vertretbaren Kosten.
MARTENSEN: Hinzu kommt das stärkere Auftreten nach außen. Wenn wir mehr Betriebe und Innungen vertreten, haben wir automatisch ein größeres Gewicht – gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Das verschafft dem Handwerk in Nordfriesland eine klarere Stimme.
TACK: Der eingeschlagene Weg bestätigt sich als richtig. Perspektivisch denken wir sogar weiter – es gibt Überlegungen, die Zusammenarbeit künftig noch übergreifender auszurichten und weitere Strukturen unter einem gemeinsamen Dach zu bündeln.
Frage: Worin sehen Sie die Hauptaufgaben der Kreishandwerkerschaft?
MARTENSEN: Unsere Aufgaben sind vielfältig. Im Kern verstehen wir uns als Interessenvertretung des Handwerks – gegenüber Politik, Wirtschaft, Behörden und der Öffentlichkeit. In gewisser Weise agieren wir wie ein regionaler Arbeitgeberverband. Dabei hilft uns unser enges Netzwerk, das von der Kommunalpolitik bis auf Landes- und Bundesebene reicht.
TACK: Gleichzeitig sind wir Dienstleister für unsere Innungen und Mitgliedsbetriebe. Wir unterstützen bei organisatorischen und verwaltungstechnischen Fragen, übernehmen Geschäftsführungsaufgaben und beraten in rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialrechtlichen Themen – vom Arbeitsrecht über Fördermöglichkeiten bis zur Prüfungsorganisation.
MARTENSEN: Einen besonders großen Stellenwert hat die Ausbildungsberatung. Wir begleiten Betriebe bei allen Fragen rund um Ausbildung, vermitteln Kontakte und engagieren uns intensiv in der Nachwuchsgewinnung.
Frage: Wie würden Sie Ihre Zielgruppe in wenigen Worten beschreiben?
MARTENSEN: Unsere Angebote richten sich an selbständige Handwerksmeisterinnen und -meister, an Handwerksbetriebe jeder Größe, an Ausbildungsbetriebe und Auszubildende – sowie an Unternehmen, die betriebswirtschaftliche, rechtliche oder organisatorische Unterstützung suchen.
Frage: Für welche Berufsgruppen ist die Nachwuchsgewinnung derzeit besonders herausfordernd?
TACK: Grundsätzlich stellen wir fest, dass das Interesse am Handwerk durchaus vorhanden ist. Wichtig ist, junge Menschen frühzeitig und auf den richtigen Kanälen anzusprechen. Wir können nicht darauf warten, dass sie zu uns kommen – wir müssen aktiv auf sie zugehen.
MARTENSEN: Deshalb setzen wir verstärkt auf digitale Formate, etwa durch ein Online-Magazin und Social-Media-Aktivitäten. Wir wollen zeigen, wie innovativ und technisch anspruchsvoll viele Handwerksberufe heute sind.
TACK: Dennoch gibt es Gewerke, in denen die Situation angespannt ist. Besonders im Friseurhandwerk, bei den Schlachterberufen sowie im Bäckerhandwerk sehen wir aktuell erhöhten Bedarf an Nachwuchs.
Frage: Wenn Sie einen vordringlichen Wunsch für die Zukunft des Handwerks äußern dürften – welcher wäre das?
MARTENSEN: Ganz klar: der versprochene Bürokratieabbau muss endlich spürbar umgesetzt werden.
TACK: Im Begriff „Handwerk“ steckt das Arbeiten mit der Hand – das Schaffen von Werten durch praktisches Können. Gemeint ist nicht das stundenlange Ausfüllen von Formularen, Statistiken und Dokumentationen. Viele Betriebsinhaberinnen und -inhaber beherrschen ihr Gewerk hervorragend und arbeiten mit Leidenschaft. Doch sie verlieren zunehmend Zeit und Motivation durch administrative Pflichten.
MARTENSEN: Wenn wir das Handwerk nachhaltig stärken wollen, müssen wir den Betrieben wieder mehr Freiraum für das eigentliche Arbeiten geben. Das ist aus unserer Sicht eine zentrale Voraussetzung für Zukunftssicherung und Attraktivität der Branche.
Das Gespräch zeigt: Das Handwerk in Nordfriesland ist gut aufgestellt – organisatorisch gestärkt durch die Fusion und inhaltlich engagiert für Ausbildung, Qualität und Interessenvertretung. Gleichzeitig bleiben Nachwuchsgewinnung und Bürokratieabbau zentrale Themen auf dem Weg in die Zukunft.

